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11 Februar 2016

1000 WÖRTER BOARDERLINES, AUS EINS MACH ZWEI UND WIE ES DAZU KOMMEN KONNTE

Kennst du schon Fuck You Happiness – der brandneue Nachfolger von Boarderlines?

Wenn du meine Buch-Review zum ersten Teil gelesen hast, kannst du dir ungefähr vorstellen, wie vorfreudig ich auf eine Fortsetzung gewartet habe.

Und dann lag das Buch vor ein paar Wochen tatsächlich unterm Weihnachtsbaum!!

Was habe ich mich gefreut und wie sehr habe ich es genossen, mich in die neuen Surfabenteuer von Andi zu stürzen.

Aber Fuck You Happiness ist mehr als das:

Klar geht es auch wieder ums Reisen und Surfen – vielmehr ist es aber eine Gedanken- und Gefühlsreise durch die unerträgliche Leichtigkeit des Surfer-Seins.

Das Buch ist ein gewagter Spagat zwischen Partyroman, Liebeskomödie und spirituellem Selbstfindungstrip – ein unmögliches Unterfangen mit sensationellem Ergebnis!

Neuanfang, Reiseglück und Liebeskummer, Ängste, Frust und Verzweiflung – es ist alles drin.

Egal ob Surfer oder nicht – es dürfte dir schwer fallen, dich in diesem Buch nicht wiederzufinden.

Doch so ein Buchprojekt ist wahrlich kein Kindergeburtstag. Es ist die leuchtende Spitze eines Eisberges. Was sich Unterwasser verbirgt, kann man nur erahnen – oder man fragt einfach mal nach!

Also Andi wie hast du das angestellt?

Buchautor Andreas Brendt

Schriftsteller Andi aka Andreas Brendt

… ich hab früher, als ich mal ein paar Jahre am Stück unterwegs war, häufig Reiseemails nach Hause geschickt, um den Kontakt zu Freunden nicht zu verlieren. Und die meinten dann, aahhh witzig, hau rein, liebe Grüße und spaßeshalber:

„Da musst du irgendwann mal ein Buch draus machen.“

So war die Idee geboren, schlummerte in meinem Hinterkopf und schien sinnvoll, weil ich gerne Geschichten erzähle, gerne die Leute unterhalte.

Fünf Jahre später gab´s dann eine Krise, die eine Menge Energie freigesetzt hat, die irgendwohin musste. Natürlich war eine Frau “Schuld“ und der Anfang geschafft. Der erste Schritt. Der Weg an den Schreibtisch.

Also alles klar: Sabbatjahr und Schriftsteller werden.

Ich wollte ein Buch schreiben, dass fesselt, dass unterhaltsam ist. Bei dem man die Luft anhält und laut loslacht. Was gibt’s Schöneres, als Menschen zum Lachen zu bringen.

Nur wie? Ich hab ja gar keine Ahnung von so was.

Die Eckpunkte der Story:

10 Reisejahre.

Vom euphorischen Aufbruch bis zum Nachhausekommen.

Reiseanekdoten aus allen Ecken und Enden der Welt.

Am besten skurril und emotional.

In guten wie in schlechten Zeiten.

Weil das amüsant ist, weil das nicht nur das Leseerlebnis beflügelt, sondern vielleicht auch das Leben danach leichter macht.

So was in der Art.

Großes Ziel, kleiner Mensch und damit kamen die ersten Fragen:

Wie soll das gehen?

Also nochmal viel über Sprache gelernt (Tipp: Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben von Roy Peter Clark – Hammer!) und noch mehr experimentiert.

Vernichtende Kritik geerntet und lobende Worte.

Nach ein paar Hundert schlaflosen Nächten kristallisierte sich heraus, was ich machen möchte. Präsenz und Ich-Erzähler.

Für mich die kraftvollste Art des Erzählens, auch wenn ich damals noch nicht wusste, welche Einschränkungen das bedeutet. Weil man sich nicht als allwissender Erzähler oder rückblickender Erklärer einmischen darf.

Sonst verliert das erlebende Ich die Glaubwürdigkeit und die Spannung löst sich auf. Und natürlich hätte ich gerne einige Situationen und Gedanken in dem Buch kommentiert. Ging aber nicht.

Genug Germanistik. Ist nicht mein Fachgebiet. Eher eine Spielwiese der Revolte.

Mittlerweile bin ich unendlich in meine Lektorin verliebt, weil wir uns so wunderbar austauschen, belehren, anmeckern und dann wieder umarmen und dann, Moment, wo war ich nochmal…?

Ach ja, Sabbatjahr 2011/12. Schriftsteller werden.

Ich war viel unterwegs, viel in den Wellen und habe an der Geschichte geschrieben. Jeden Tag.

Andi surfen

Andi im Tunnel

So ein Projekt braucht deutsche Disziplin.

Frühsurf, Frühstück, nochmal ins Wasser, dann Schlafen, Kaffee und an den Rechner. Schöne Kombination. Schöne Tage. Es ging ganz gut voran. Angsteinflößend war nur das Ende.

Weil ich zwar wusste, wo das sein soll, in welchem Jahr meines Lebens, aber nicht, wie´s aussieht.

Und dann hocke ich in Mexico im Wasser, perfekte Wellen und Bäng. Da war´s.

Der ein oder andere im Line Up war sicher, ich hätte einen Hai gesichtet – so schnell bin ich an Land gepaddelt. Sofort in die Hütte, die letzten Seiten in die Tasten gehämmert und damit war alles klar.

Jetzt nur noch das, was dazwischen liegt in schöne Worte schmücken, hundert mal überarbeiten und ich hab´s getan. Großartiges Gefühl.

Das Ganze wird. In ein paar Monaten habe ich ein Buch geschrieben.

In diesen euphorischen Momenten weiß man natürlich nichts von dem ganzen Scheiß, der sich gerade anschleicht…

Verlagssuche. Wochenlang das perfekte Exposé bearbeitet und dies dann an Hundert Verlage geschickt.

Andi Buch

Andi im freien Fall

Die Rückmeldungen waren ernüchternd (= Euphemismus für schmerzhaft bis deprimierend).

Zum Beispiel: Lieber Herr Brendt, Ihr Buch hat mich schwer begeistert, ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen, war zutiefst bewegt und liebe die Geschichte! Leider ist die Zielgruppe zu klein. Wir wünschen Ihnen für alles Weitere alles Gute.

Genial, die Dame hat nichts mit Surfen zu tun, liebt das Buch, aber die Zielgruppe ist zu klein.

Irgendwann dann das Wunder.

Ein großer Wassersport-Verlag wollte es haben. Also ein bisschen VIP Luft auf der Buchmesse schnuppern, wichtige Gespräche mit Menschen im Anzug führen, in Sofas sitzen, über erfolgreiche Bücher quatschen und dabei nicht den Kern eines Autorenvertrags vergessen:

Man übergibt sein Buch und alle Rechte an einen Fremden…

Ich konnt´s irgendwie nicht. Wer weiß, was die damit vorhaben, was die streichen, verändern, umschreiben, wie das Cover aussieht (Hilfe, die wollten Hochglanz) und vertragsmäßig haben die das letzte Wort.

Also Eigenverlag. Und wieder hatte ich keine Ahnung, was das bedeutet. Egal.

Erstmal einen Verlag gründen. Das ist einfach.

Zwanzig Euro auf den Tisch, eine Unterschrift. Fertig.

Aber dann kommt´s: Verlagsauslieferung finden, Vertragsbedingungen und juristische Texte studieren, vergleichen, evaluieren, Druckereien kontaktieren, alles über Papier lernen, Lektoren finden, In-Design verstehen, Buchsatz probieren, Graphiker wahnsinnig machen, Cover auswählen, auf halbem Weg in die Irrenanstalt laufen, beim Versuch den besten Titel herauszufinden, Titelschutz, Markenschutz, Börsenverein, Klappentext, 10.000 Euro investieren.

Und dann: Geschafft!

Ne, nix da. 2600 Bücher gedruckt, das erste Exemplar voller Stolz aufgeschlagen und einen Tippfehler in der Überschrift (!) gelesen: Fuertevenutra.

Das Leben ist ungerecht, gemein, eine Drecksau! Ich will sterben!! Sofort!!!

Mein bester Kumpel steht singend neben mir:

„Ich hab´s dir ja gesagt, lalaahh, niemand kontrolliert die Überschriften.“

Es gibt nichts besseres, als ein bester Kumpel!

Nun die Frage: Wie verkauft man 2600 Bücher?

Einfach: Wenn die Leute Spaß damit haben, spricht sich das rum und der Reichtum kann kommen. Während ich auf der Couch liege. Oder surfe.

Und die Leute hatten Spaß. Sie liebten das Buch. Surfer, Nichtsurfer, jung und alt. Lieblingsbuch, bewegend, Danke. Amazon-Rezensionen, Presseberichte, Aufatmen.

Andi Buch Autor

Geschafft – Andi ist happy!

Ein Wunder und das allerwichtigste, weil ich vor Scham ertrunken wäre, wenn´s lahm und langweilig geworden wäre.

Und als Schreiberling hat man Null Ahnung, was man da fabriziert hat. Alles gut. Bis auf eins.

Leider ging das mit den Verkäufen dann nicht von alleine. So nach ein paar Hundert war Schluss.

Also klassische PR, Klinkenputzen, Leute auf Facebook nerven, Lesungen (die waren allerdings immer ein Riesenspaß!), wieder Leute auf Facebook nerven, online PR, Bücherforen, Flyer im Park verteilt, tagelang, stundenlang, wieder Leute auf Facebook genervt, Radio, Fernsehen, Hundert Millionen Adressen gesucht, gefunden, angeschrieben und nichts mehr von gehört.

Ich hasse Marketing.

Ich gehe Leuten einfach nicht gerne auf den Sack.

Bei all der Arbeit hat mich eine Sache am Leben gehalten. Die Leserrückmeldungen. Ohne die hätte ich aufgegeben. Aber jede einzelne war wie eine Adrenalinspritze ins Herz.

Die Leute lieben das Buch wirklich und das ist alles, was zählt. Das motiviert, dann kann man auch mal etwas nervtötend sein, weil´s für ne gute Sache ist. Weil´s glückliche Menschen schafft.

Irgendwann dann die zweite Auflage und der Marketingdreck ging von vorne los. Aber es ging auch voran und zwei Jahre später stand dann das nächste Sabbatjahr vor der Türe und die Frage nach der Fortsetzung…

Boarderlines – Fuck You Happiness

Eigentlich war es lange keine Frage mehr, weil sich so viele eine Fortsetzung gewünscht haben.

Und ich wusste genau, was ich machen will. Genauer, als beim ersten Teil.

Wieder Unterhaltung, bewegende Momente, aber diesmal mehr Gefühl, mehr Tiefe, weil ich den Eindruck habe, dass ganz viele Menschen mit dem Leben zu kämpfen haben. Nicht immer alles schön ist.

Also ein Buch, welches die Menschen zum Lachen bringt, aber auch eins, was zeigt, dass wir alle gleich sind und so die Schwere nehmen kann.

Ein Buch, dass den Protagonisten in all seiner Schwäche und Verzweiflung zeigt und gleichzeitig wunderschön und liebenswert erscheinen lässt.

Vielleicht ein Buch, dem es gelingt, dass sich der Leser mit diesen Augen betrachtet, so dass der Leser seine zarten, unsicheren Seiten erkennt und lieben lernt.

Kurz: Eine Genre-Unmöglichkeit.

Lustig, emotional, voller Schmerz, voller Humor, voller Tiefsinn, ohne Ratgeber. Ernst, leicht, ein Erlebnis, eine Krise und Lust auf Leben.

Cola Automat_Buch_1

Die unglaubliche Geschichte dieses zerschossenenen Cola-Automaten gibt´s im zweiten Teil von Boarderlines!

Gesprengte Colaautomaten und Liebeskummer. Der Kampf mit Alltag und unglaubliche Reiseerlebnisse. Tragödie und Witz. Spirituelle Suche und Komödie. Quatsch, Unsinn und natürlich Liebe.

Ein Buch wie das Leben, unberechenbar, chaotisch, aber auch mit Flow.

All das und natürlich locker geschrieben. Super Plan.

Ich dachte mal, dass zweite Buch würde einfacher. Falsch gedacht.

Aber das ist dann wie immer im Leben, wenn Zweifel und Unsicherheit auftauchen, muss man die Zweifel Zweifel sein lassen und trotzdem weiterlaufen.

Und so war´s dann auch. Sehr hart, sehr anstrengend. Auslaugend. Ich bin auf der Tastatur eingeschlafen, habe laut gelacht, manchmal geweint und natürlich Riesen Sorgen gehabt, ob das alles funktioniert. Das Genrechaos.

Zum Glück wurde es an einer Front ruhiger. Der Conbook Verlag wollte das erste Buch neu rausbringen und die Aussicht auf Buchhandel und weniger Marketingdriss war verlockend.

Die Leute waren sympathisch, die Aussicht auf etwas mehr Verbreitung verlockend (dafür verdient man nur noch 90 Cent pro Buch) und vor allem waren mehr Ressourcen für den zweiten Teil, für die Fortsetzung da.

Ich hatte Luft zum Atmen und konnte dann alles in das zweite Buch reinwuchten, was in mir steckt.

Im Dezember war´s fertig.

Und langsam bekomme ich Rückmeldungen, die zeigen, dass das gut war.

Ein Felsbrocken fällt von einer Schulter. Danke lieber Gott!

Denn mit dem Schreiben ist es eine komische Sache. Sehr viele mögen meinen Stil. Darüber freue ich mich total, aber bin nur wenig stolz darauf.

Das liegt daran, dass es weniger eine Fähigkeit ist, die ich abrufen kann. Es passiert mehr.

Und das ist natürlich nicht gerade einfach, wenn man ein zweites Buch schreibt und beenden will – also auf dieses ´passieren´ angewiesen ist 🙂

Meistens gehe ich so vor:

Ich versetzte mich in Situationen, die ich erlebt habe. Bis ich sie fühle. Hautnah. In jeder Zelle.

Dann hämmere ich in die Tasten. Ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Rationalität und Plan. Oft Assoziativ. Und dieser Wust wird dann in einem zweiten Schritt lesbar gemacht. Worte werden ausgetauscht, Unverständliches gestrichen, Satzlänge variiert usw. usf.

Und im Idealfall ist da am Ende etwas, das der Leser fühlt. Und wenn das funktioniert, ist alles gut. Egal, was es ist. Das Interessante ist ja, dass 50 % des Leseerlebnis durch die Worte passieren und die anderen 50% von den Gehirnwallungen des Lesers abhängen. Da habe ich nur bedingt Einfluss.

Skorpion im Bett

Ein Skorpion im Bett – welches ist deine Lieblingsstelle im neuen Boarderlines?

Und spannend sind dann dir Rückmeldungen. Besonders zum zweiten Teil, Boarderlines – Fuck You Happiness.

Jeder hat 5 andere Lieblingsstellen. Das haut mich um.

Ich glaube mittlerweile, dass es ein Buch mit vielen Facetten geworden ist. In dem jeder etwas findet. Das schöne, berührende Stunden schafft.

Und da bemerke ich, dass der letzte Satz auch gut der letzte sein könnte. Julian, was war nochmal die anvisierte Wörter-Grenze?

Ich glaube 1000. Weiß jemand, wie viel 1000 Wörter ungefähr sind?

Hab ich noch 2?

Alles Liebe, Andi

Und bist du auch so begeistert von Andis neuem Buch? Welches ist deine ganz persönliche Lieblingsstelle? Schreib es in die Kommentare!

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