Verletzt im Surfurlaub
26 September 2020

Verletzt im Surfurlaub und trotzdem stoked

Sarah Zahn

Gastartikel von Sarah

Aloha Ocean Lovers! Ich bin Sarah und seitdem ich vor ein paar Jahren das Surfen entdeckt habe, bestimmt der Ozean mein Leben. Im Wasser triffst du mich entweder auf meinem Board oder mit meiner Kamera in der Hand, denn als Fotografin liebe ich wilde Geschichten & salzige Gesichter.

Dank meiner Leidenschaft wurden die landlocked Phasen immer kürzer, bis ich vor zwei Jahren schließlich meine Wohnung in Berlin gekündigt habe und nach Australien gezogen bin. Seitdem lebe ich mein absolutes Traumleben und wohne inzwischen in meinem selbst ausgebauten Van in Portugal, stets auf der Suche nach schönen Wellen und neuen Abenteuern. Wenn du Lust hast mit auf die Reise zu kommen, schau gerne hier vorbei.

Stell dir vor, du siehst nach sechs endlos scheinenden Monaten Landlocked-Daseins endlich wieder das geliebte Meer vor dir. Und Wellen, richtig schöne Wellen, die als Willkommensgruß in entspannten Sets geordnet auf die Küste zurollen.

Stell dir vor, du schlüpfst in deinen eingestaubten Neoprenanzug und waxt dein Surfboard, während deine Geruchsknospen vor lauter Aufregung über den leichten Kokosgeruch Purzelbäume schlagen.

Du schnappst dir deinen Surf-Buddy, läufst voller Vorfreude auf den Ozean zu und - zack! Im nächsten Moment liegst du auf dem Boden, denn du bist von der Straße in den Graben gefallen.

Dings am Fuß

Deine erste Reaktion gilt selbstverständlich dem Board und der Test auf Dings fällt zum Glück negativ aus. Eine Welle der Erleichterung macht sich in dir breit, allerdings hält dieses Gefühl nur so lange, bis du wieder aufstehen willst.

Verletzt im Surfurlaub - wann kann ich endlich wieder surfen

Verletzt im Surfurlaub - Wann kann ich endlich wieder surfen?

Während du dir Sorgen um dein Board gemacht hast, hat dein Fuß die Hautfarbe gewechselt und ist etwas gewachsen. Ein bisschen Schmerzen fühlst du auch, also kehrst du dem Meer wieder den Rücken zu und humpelst in trockenem Neo zurück zu deinem Campervan.

Da du nicht den Luxus eines Kühlschranks besitzt, bekommst du von deinen mitfühlenden Nachbarn zwei eiskalte Bierflaschen geschenkt. Eine für den Fuß, die andere für den Kopf. In den nächsten Minuten ist alles gut.

Aber allmählich dämmert es dir und auf einmal wird dir schlagartig bewusst: du hast dich eben vermutlich ernsthaft verletzt! Und aus dem engen Neoprenanzug solltest du auch noch raus, bevor die zunehmende Größe deines Fußes ein elegantes Herauskommen unmöglich macht.

Surfverbot - und jetzt?

Einige Biere (für den Fuß natürlich) und einen Arztbesuch später und es ist offiziell: Verdacht auf Bänderzerrung, drei Wochen Surfverbot. Mindestens. Drei Wochen.

Mit etwas Glück bleibt dir am Ende also noch eine Woche, um endlich wieder durchs Salzwasser zu paddeln und auf deinem Board über die Wellen zu tanzen. Aber was bitte schön, sollst du mit den anderen Wochen anstellen, während sich deine Freunde ausgehungert auf jede Welle stürzen?

Selbst der klassische Strand-Tag, an dem du faul mit einem Buch unter einem schattenspendenden Schirm liegst, scheidet zunächst aus. Krücken und Sand vertragen sich einfach nicht so gut. Und irgendwie tut es weh, den heranrollenden Wellen so nah und doch so fern zu sein.

Also legst du dich fürs Erste ins Bett und befolgst brav alle ärztlichen Anweisungen: den Fuß hochlagern, kühlen und, wie mehrfach betont, auf keinen Fall surfen gehen! Wie genau du kühlen sollst, davon hat dir der Arzt nichts erzählt und da sich die Bier-Methode als recht erfolgreich erwiesen hat, hast du dieses Mal vorgesorgt. Alles für den Fuß natürlich.

Zwischen dem Zustand völliger Frustration und absoluter Meditation hin- und herpendelnd, neigt sich der erste der vielen surf-freien Tage am Meer dem Ende entgegen.

Abends fühlt es sich abgesehen von deinen Schmerzen an, wie dein heißbeliebter Roadtrip. Du schaffst es sogar, dich für deine Freunde zu freuen, die aufgekratzt und ausgesurft von ihren schönsten Wellen berichten.

Immer positiv denken

Am nächsten Morgen brauchst du ein wenig, bis dir alles wieder einfällt. Um jegliche Frustrationsschübe von vornherein einzudämmen, lautet dein Lebensmotto von nun an: Immer positiv denken. Ist doch auch mal ganz nett, wenn dir Kaffee & Frühstück ans Bett gebracht werden.

Bei deinem Buch befindest du dich bereits in der spannenden Phase und dank bewährter Hausmittel ist der Fuß stets bestens gekühlt. Von deinem Bett aus kannst du das Meer sehen und auch wenn du dich nicht in die Fluten stürzen kannst, ist die Aussicht immer noch um Längen besser als in deinem Bett Zuhause.

Am dritten Tag gelangst du dank ausgefeilter Huckepack-Künste schmerzfrei an den Strand und legst zum ersten Mal in deinem Leben einen ausgedehnten Strandtag hin. Ebenfalls Premiere feiern wird voraussichtlich dein nahtlos gebräunter Körper, da die unter Surfern berühmt berüchtigte Atlantik-Bräune bisher nach jedem europäischen Surf-Trip zu deinem Standart-Mitbringsel zählte. So viele erste Male, es ist schon fast abenteuerlich.

 Tag vier bleibt dank deines Buches einigermaßen spannend, das Bier schmeckt noch und überhaupt sind die Wellen gar nicht so gut. Es könnte alles schlimmer sein denkst du dir. Und dann kommt der neue Swell…

Neuer Swell - neue Frustration

Mit jedem herannahenden Set werden deine positiven Gedanken weniger und während deine Freunde eine traumhafte Welle nach der anderen surfen, ertappst du dich plötzlich dabei, wie du mit deinem Fuß redest. Ihn anflehst, doch endlich wieder gesund zu werden und ihm im Tausch gegen ausgiebige Surf-Sessions wohltuende Massagen versprichst.

Neuer Swell in der Algarve

Ein neuer Swell erreicht die Algarve

Aber es nützt alles nichts. Die Wellen werden sogar noch schöner und du ziehst dich frustriert in deinen Campervan zurück und lässt dir die Decke auf den Kopf fallen.

Dank Bewegung, Meditation und Ernährung gesund werden

Mit reichlich Zeit zum Nachdenken wird dir eines deutlich bewusst: auf diese Weise kann es die nächsten zwei Wochen nicht weitergehen. Was also kannst du unternehmen, um dein Gute-Laune-Level zu heben und das Surfen auf irgendeine Weise trotzdem in dein Leben zu integrieren?

Noch während du am Nachdenken bist, fällt dein Blick auf deine Yoga-Matte in der Ecke und eine Idee nimmt in deinem Kopf Gestalt an. Die nächsten Stunden verbringst du mit einer ausgiebigen Recherche und einem langen Telefonat mit deiner Mum, die Physiotherapeutin ist. Voller Stolz präsentierst du dir anschließend deinen ganz persönlichen Trainingsplan.

Surf Yoga trotz Fußverletzung

Surf Yoga trotz Fußverletzung

Dieser beinhaltet vor Allem surf-spezifische Übungen, die die erforderlichen Körperpartien ideal auf deine glorreiche Rückkehr ins Line-Up vorbereiten sollen und auch mit nur einem gesunden Fuß bestens durchzuführen sind.

Als Ergänzung dazu hast du dir Dehnungen für jegliche vom Krückenlaufen benachteiligte Muskeln herausgesucht, die den Heilungsprozess nachhaltig unterstützen sollen. Und wo du schon beim Surf Yoga bist, kannst du auch gleich tägliche Meditations-Sessions mit einbauen.

Diese helfen dir, durch die Kontrolle deines Atems, trotz Ungeduld und negativer Gedanken einen ruhigen Geist zu behalten. Eine Fähigkeit, die dir besonders an großen Tagen und extremen Waschgängen helfen kann, im Wasser relaxt zu bleiben.

Auch deine Ernährung wird in die Veränderung mit einbezogen: klar sind Chips und Schokolade zum Snacken spannender, als Nüsse und Weintrauben. Aber aus Erfahrung weißt du eigentlich selber, auf welche Weise gutes, gesundes Essen deine Stimmung und dein Körpergefühl positiv beeinflussen.

Warum also nicht die Zeit nutzen, um ein paar neue, pflanzenbasierte Rezepte auszuprobieren und dich mit dem Thema der bewussten Ernährung auseinander zu setzen?

Kreiere dir einen abwechslungsreichen Alltag

Gesagt, getan. Deine Freunde rocken morgens das Line-Up und du fortan die Yoga-Matte. Bereits nach der ersten, vorsichtigen Session merkst du, wie gut dir die Bewegung tut. Zwar bist du noch recht eingeschränkt, was die Belastung deines Fußes angeht, aber deine Arm-, Bauch- und Rückenmuskeln werden umso intensiver auf das Surfen vorbereitet.

Surf Fittness kannst du auch mit Verletzung trainieren

Deine Surf Fittness kannst du auch mit Verletzung trainieren

Energetisiert kreierst du anschließend für die ganze Gang ein leckeres Mittagessen, um im Anschluss genau so ausgepowert wie deine Freunde eine wohlverdienten Siesta einzulegen.

Am Nachmittag fühlst du dich auf einmal nach einer kreativen Beschäftigung und packst die mitgebrachten Farben aus. Diese waren zwar eher für lay days gedacht, aber finden auf diese Weise auch ihre Bestimmung. Endlich hast du genug Zeit und Ruhe, um deine Jeansjacke zu bemalen. Eine Idee, die du Zuhause aus den unterschiedlichsten Gründen stets vor dir hergeschoben hast.

Die kreative Beschäftigung hält dich bis abends auf Trab und nach einem leckeren Essen voller regionalen Leckereien lasst ihr den Tag zusammen gemütlich ausklingen.

Finde schöne Beschäftigungen

Die darauffolgenden Tage gestalten sich auf ähnliche Art und Weise. Dein Surftraining nimmt mit jedem Tag an Intensität zu und obwohl es selbstverständlich keinen Surf-Ersatz darstellt, fühlst du dich im Anschluss trotzdem ein ganz bisschen ausgesurft.

Die restliche Zeit verbringst du mit vielen kreativen Dingen, für die du dir Zuhause nie die Zeit genommen hast. Und auch an die faulen Strandtage hast du dich allmählich gewöhnt. Nach zwei Wochen sind die Schmerzen im Fuß dann bereits so weit zurückgegangen, dass du laut dem Rat deiner Ärztin mit einer vorsichtigen Belastung anfangen kannst. Stolz drehst du also zum ersten Mal ohne Krücken eine kurze Runde. Das Surfen kommt immer näher!

Entdecke das Urlaubsland abseits des Wassers

Ab diesem Zeitpunkt jagt ein Highlight das nächste. Das erste Mal wieder selber mit deinem Van zu fahren, eröffnet dir ganz neue Möglichkeiten und auf einmal sind die Tage gefüllt mit kleinen Erkundungstouren in der wunderschönen Gegend.

Durch die immer ausgedehnteren Spaziergänge in Kombination mit ausgesuchten Übungen, gewöhnt sich dein Fuß allmählich wieder an die Belastung. Schließlich bist du soweit und paddelst das erste Mal wieder im Meer herum. Surfen ist zwar noch nicht drin, aber dennoch fühlt es sich großartig an. Du merkst, dass dein Körper fit ist und mit Salzwasser auf der Haut sieht die Welt am schönsten aus. Sowieso nimmst du viele Alltäglichkeiten, wie beispielsweise das Laufen, plötzlich mit ganz anderen Augen wahr.

Das Warten hat ein Ende

Und auf einmal ist er da: der Tag, an dem du dir endlich dein Surfbrett schnappst und mit deinen Freunden zusammen ins Line-Up paddelst. Ein Grinsen breitet sich auf deinem Gesicht aus, als plötzlich ein entspanntes Set auf dich zurollt.

Du bist perfekt positioniert, drehst dein Board und beginnst zu paddeln. Ein paar Atemzüge später und du fliegst auf deinem Brett über die Welle. Was für ein unbeschreibliches Gefühl!!

Sarah Zahn im Lineup - endlisch wieder surfen!

Gastautorin Sarah Zahn im Lineup - endlich wieder surfen!

Mit Endorphinen durchflutet kehrst du zurück zu deinen Freunden, die dich strahlend empfangen und genießt anschließend eine der schönsten Surf-Sessions, die du je hattest.

Zwar hättest du gerne auf die ungewollte Pause verzichtet, aber trotz alledem hat die Verletzung dich im Nachhinein einige Dinge gelehrt: wie schön es ist, gesund und fit zu sein und dich dementsprechend um Körper & Seele zu kümmern. Wie wertvoll es ist, dir Zeit zu nehmen für kreative Beschäftigungen und neues Wissen.

Aber vor Allem: wie sehr du das Surfen liebst! Und wer weiß, vielleicht hat dir die Verletzung sogar gezeigt, dass du in Zukunft öfter surfen willst, als nur im Urlaub...

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