27 Mai 2015

AUF WORKATION IN TARIFA: SURFEN, NETZWERKEN & ARBEITEN

Es gibt Orte auf dieser Welt, die ihre Strahlkraft nur an einigen wenigen Wochen im Jahr voll und ganz entfalten. Tarifa ist so ein Ort!

Während hier im Sommer der große Touristenmop einfällt und die Preise in die Höhe treibt, zeigt sich das kleine Strandörtchen in der Vor- und Nachsaison von seiner besten Seite.

Tarifa AltstadtWer an Tarifa denkt, dem kommen vermutlich sofort Bilder von stahlendweißen Häusern, Tapas, Flamenco und natürlich Wind- und Kitesurfern in den Sinn. Das ist aber längst nicht alles: Was hierzulande kaum ein Surfer auf dem Schirm hat, sind die durchaus respektablen Bedingungen zum Wellenreiten.

Gleichzeitig entwickelt sich der in der Nebensaison sehr günstige Strandort immer mehr zu einem Hotspot für Freiberufler und Webworker aus ganz Europa, die sich nach getaner Arbeit fröhlich jauchzend in die Wellen stürzen.

Vom Meeting ins Lineup

Wenn Wind und Welle passen, sind es vom Meeting bis ins Lineup nur ein paar hundert Meter. Denn bei leichten Ostwinden und den im Winterhalbjahr typischen West bis Südwest-Swells findest du in Tarifa direkt am Stadtstrand gute Surfbedingungen. Auch wenn der Ostwind etwas stärker bläst, bricht hier eine schnelle hole Welle, die sich durchaus sehen lassen kann.

Surf TarifaAnders ist die Situation bei ausgeprägtem Levante (Oststurm) oder Poniente (Weststurm), die im Lineup für Chaos sorgen oder die Wellen an Tarifas Stränden gnadenlos flachbügeln. An solchen Tagen solltest du dein Glück lieber in dem etwa 60 km westlich gelegenen Surfmekka El Palmar versuchen, wo es mit Aframe auch ein hervorragendes deutsches Surf- und Yoga Camp gibt.

Perfektes Arbeitsklima

Was Tarifa für surfende Freiberufler aber besonders reizvoll macht, ist die einzigartige Lage am südlichsten Zipfel Europas. In Tarifa beginnt der Arbeitstag anders als im heimischen Büro: Mit einem Kaffee in der Hand schaust du über den tiefblauen Ozean zu den majestätischen Ausläufern des marokkanischen Atlasgebirges, deren schroffe Berghänge trotz der großen Distanz zum Greifen nah erscheinen.

Tarifa StadtstrandAuch das Klima ist hier sehr angenehm und an vielen Sonnentagen mit Temperaturen von 15 bis 20 Grad herrscht selbst im Winter ein ideales Arbeitsklima. Wer gerne surft und zum Arbeiten nur ein Notebook braucht, ist in Tarifas zahlreichen Cafés und Coworking Spaces also bestens aufgehoben.

La Cocotera: Coworking-Boom in Spanien

Denn gleich hinter den USA und Deutschland hat Spanien die höchste Dichte an Coworking Spaces weltweit. Der regelrechte Boom im Bereich Coworking, der bereits vor einigen Jahren durch die spanische Wirtschaftskrise ausgelöst wurde, hat auch an den Toren von Tarifas Altstadt nicht halt gemacht.

La Cocotera-Eingang-2Ein gutes Beispiel für diese Entwicklung ist La Cocotera – eines der weltweit ersten Coworking Hostels überhaupt, das vor genau einem Jahr von den drei Andalusierinnen Marina, Vernonica und Eva mit viel Herzblut eröffnet wurde.

Auch ich habe mein mobiles Office für ein paar Tage bei La Cocotera aufgeschlagen, als ich Ende April mit meinem Surfboard durch Andalusien reiste. So ergab sich die perfekte Gelegenheit, um mich bei der reizenden Gründerin Marina über ihre Pionierarbeit in Sachen Coworking zu erkundigen.

MarinaDie studierte Kommunikationswissenschaftlerin arbeitet seit Jahren freiberuflich im Bereich Copy Writing, Werbung und PR und als sie sich nach geeigneten Arbeitsorten für kreative Freiberufler umsah, wurde ihr schnell klar, dass es so etwas in Tarifa noch nicht gab. Gleichzeitig traf sie in der belebten Altstadt immer mehr digitale Nomaden, die ihre Laptops aus Mangel an Alternativen in den zahlreichen Straßencafés aufschlugen.

Da lag der Entschluss nahe, mit La Cocotera das erste europäische Coworking-Hostel ins Leben zu rufen, das auf die besonderen Bedürfnisse der nomadischen Webworker eingeht. Nach der ersten etwas holprigen Anfangsphase läuft das Projekt inzwischen immer besser und Marina sieht die ersten Früchte ihrer Arbeit.

La Cocotera-DormEndlich gibt es in ihrer Stadt einen Ort, von dem sie immer geträumt hat. Ein Stückchen Heimat für Reisende aus allen Teilen Europas. Eine Plattform zum Netzwerken und für gegenseitiges Austauschen von Know How. Deswegen nennt Marina die vielen Laptopreisenden, die in ihrem Hostel unterkommen, auch Knowmads.

Oft ist es so, dass sich die internationalen Gäste in ihren unterschiedlichsten Fähigkeiten gegenseitig ergänzen und Marina ist es wichtig, sie beim Networking so gut wie möglich zu unterstützen. Als Starthilfe für diese Bemühungen dient beispielsweise das Event „sexy salad“, bei dem jeder Teilnehmer eine Zutat mitbringt, die in einen bunten Gemeinschaftssalat passt. Beim gemeinsamen Schnippeln fällt es den Gästen nämlich viel leichter, ins Gespräch zu kommen und sich über die jeweiligen Projekte auszutauschen.

La Ccotera-Coworking SpaceLa Cocotera liegt mitten in der verwinkelten Altstadt Tarifas. In den 2 Einzelzimmern und den 5 gemeinschaftlichen Schlafräumen können insgesamt 28 Webworker Unterschlupf finden.

La Cocotera-DachterasseNeben einem Gemeinschaftsbüro im Erdgeschoss soll es auf der geräumigen Dachterrasse bald noch weitere Arbeitsplätze geben. Von dort aus soll der wunderbare Blick über Altstadt und Meer das besondere Arbeitserlebnis in La Cocotera noch weiter steigern.

Weil es für La Cocotera noch keine eigene Website gibt, werden Buchungen bislang noch über Booking.com entgegen genommen. Alternativ kannst du dich aber auch telefonisch bei Marina nach freien Zimmern erkundigen (Tel.: 0034-615173413).

In der nach meiner Ansicht besten Reisezeit – die schöne Nebensaison – zahlst du 30 € für ein eigenes Zimmer und 15 € für einen Schlafplatz im Dorm. Die Nutzung vom Coworking Space ist inklusive. Die Internetgeschwindigkeit im Haus ist je nach Standort sehr unterschiedlich und reicht von 3 Mbps in den Schlafräumen bis 20 Mbps im Coworking Space.

Digitalen Nomaden aus Deutschland erobern Tarifa

In Deutschland gibt es sie zu Hauf: Freiberufler und digitale Nomaden, die einfach nicht mehr alleine zu Hause arbeiten wollen. Bereits im Jahr 2013 arbeiteten in Deutschland rund 11000 Selbständige regelmäßig in Coworking-Spaces.

Und wenn hierzulande nicht gerade Sommer ist, verschlägt es die meisten von ihnen immer wieder für unbestimmte Zeit in die warmen Sonnenregionen, um von dort aus an ihren Projekten zu arbeiten. Und so war es nur eine Frage der Zeit, dass auch die deutsche Digi Nomad Community den Hotspot Tarifa für sich entdeckte.

johannesEiner der ersten deutschen Webworker, die sich in Tarifa beginnen wohl zu fühlen, ist Johannes Voelkner von Webworktravel.

Denn als full-time Digi Nomad, Globetrotter und begeisterter Kitesurfer, ist Tarifa der ideale Standort für seine sportlichen und beruflichen Aktivitäten.

Nachdem sich Johannes in den letzten Jahren immer mal wieder für mehrere Monate in Tarifa einquartierte, kam ihm schließlich die Idee, die vielen Vorzüge dieser vielseitigen Strandlokation auch anderen Webworkern zugänglich zu machen. Also fing er an, die sogenannten Tarifa Workation Camps anzubieten.

Volley-TarifaHinter der Wortkreation Workation verbirgt sich die Idee, die Konzepte Coliving und Coworking miteinander zu verbinden. Im Klartext heißt das: eine Gruppe von Unternehmern oder Freiberuflern bezieht gemeinsam ein Haus oder teilt sich eine Unterkunft – wie etwa La Cocotera – um von dort aus für eine begrenzte Zeit zu arbeiten und gemeinsame Outdooraktivitäten, wie Surfen, Biken oder Beachen zu unternehmen. Das Ganze ist also ein Mix aus Urlaubsfeeling, Networking und Arbeit.

Workation-TarifaZur diesjährigen Workation im Mai kamen insgesamt 20 Teilnehmer aus 8 verschiedenen Ländern: Polen, Deutschland, Kanada, Frankreich, Belgien, Österreich, Norwegen und Slowenien. Wegen der positiven Resonanz der Teilnehmer, werden dieses Jahr sicher noch weitere Events folgen. Außerdem plant Johannes ab Juni 2015 einen permanenten Coworking Space in Tarifa zu eröffnen.

Coworking-Workation

DNX CAMP Tarifa

Doch damit nicht genug. Auch die Veranstalter der größten Konferenz für digitale Nomaden (DNX) springen gerade auf den Zug auf und laden vom 27. Mai bis 10. Juni 2015 zum ersten DNX Camp in Tarifa.

DNX CampDabei geht es den etwa 15 Bloggern und Online-Entrepreneuren darum, die vielen Sport- und Freizeitmöglichkeiten von Tarifa zu nutzen und sich in entspannter Atmosphäre über ihre aktuellen Online-Projekte auszutauschen. Das Motto lautet: produktiv coworken und leben, gesund & sportlich!

Sunny Office

Wenn dir diese Form des Coworking immer noch zu eigenbrötlerisch erscheint und du lieber in kleiner Runde (7-12 Teilnehmer) einen intensiven Austausch mit anderen internationalen Gründern suchst, kann ich dir das Sunny Office empfehlen.

Sunny Office_1Das von der Berlinerin Katja Andes ins Leben gerufene Projekt ist ideal, um deine Geschäftsideen einfach mal in die Runde zu werfen und von gleichgesinnten Entrepreneuren direktes Feedback zu bekommen. Auch Sunny Office ist eine Mischung aus Coliving und Coworking für Menschen, die an schönen, warmen Orten in Südeuropa an ihren Projekten arbeiten, sich intensiv austauschen und voneinander lernen wollen. Das nächste Sunny Office in Andalusien findet statt vom 31. Oktober bis 14. November im wunderschönen Surfort Zahora, etwa 60 Km westlich von Tarifa.

Sunny Office_2Neben dem intensiven Austausch in der kleinen Arbeitsgruppe steht hier auch gemeinsames Surfen lernen auf der Agenda.

Tarifa: Tapas, Cañas & Konsorten

Wenn du an einer der Workation Events teilnehmen möchtest, dich in Tarifa aber noch nicht richtig auskennst, habe ich nun noch ein paar Tipps für dich:

Grundsätzlich ist es sehr einfach, dich in den hübschen Gassen der Altstadt treiben zu lassen und hier und da auf eine Caña (gezapftes Bier) oder eine Runde Tapas einzukehren. Denn in Tarifa gibt es weit über hundert Bars und Restaurants. Dennoch gibt es ein paar Adressen, die besonders erwähnenswert sind.

LolaWenn du deinen Gaumen gerne hast, solltest du ihn auf jeden Fall einen unvergesslichen Thunfisch-Abend im LOLA (Calle Guzmán el Bueno, 5) gönnen, wo auch dein faulster Geschmacksnerv zum Tanzen gebracht wird. Denn das, was die Köche dir hier auf den Teller zaubern, ist einfach nur zum dahinschmelzen.

Cafe 10Ein sehr leckeres Frühstück bekommst du im Café 10 (Nuestra Senore de la Luz 10).

Fiesta in Tarifa: Als gäb´s keinen Morgen

In Tarifa fängt alles etwas später an. Vor 21 Uhr geht hier kaum jemand essen, ab 23 Uhr erwachen die Bars zu neuem Leben und erst gegen 1-2 Uhr füllen sich so langsam die Tanzflächen.

Bien EstarEine gute Wahl ist das Bien Star, wo es jeden Freitagabend direkt am Stadtstrand gute Surfmusik und leckere Cocktails gibt.

Fliegen zu Taxipreisen

Ein weiterer großer Pluspunkt einer Workation in Tarifa, sind die günstigen Flugverbindungen. Mit Malaga, Sevilla, Jerez de la Frontera und Gibraltar gibt es gleich fünf internationale Flughäfen in der näheren Umgebung. Wenn du dir ein bisschen Zeit nimmst, die Preise zu vergleichen, solltest du am Ende nicht mehr als 100-150 Euro für Hin- und Rückreise ausgeben müssen.

Fazit

An einer Workation in Tarifa teilzunehmen ist für Freiberufler, Unternehmer und selbständige Surfer eine nette Abwechslung vom heimischen Home-Office oder Coworking Space. Im Vergleich zu längeren Arbeitsaufenthalten auf Bali oder anderen Fernreisezielen, kann eine Workation in Tarifa ein guter Einstieg für all diejenigen sein, die mit dem digitalen Nomadentum liebäugeln, Kontakte zu anderen Webworkern knüpfen und nebenher eine gute Zeit in den Wellen verbringen wollen – digitales Nomadentum light sozusagen.

Wenn du nun Lust auf einen eigenen Arbeits- und Surftrip bekommen hast, kannst du dich auch in dieser Facebook Gruppe mit all den anderen Digi Nomads in Tarifa vernetzen.

Und was dir das Wellenreiten über deinen Job und deine Berufung verrät, kannst du hier nachlesen.

AUF WORKATION IN TARIFA: SURFEN, NETZWERKEN & ARBEITEN
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4 Responses

  1. Hi Julian,
    gute Zusammenfassung der verschiedenen Methoden, vor allem für einen Einsteiger wie mich 🙂
    Surfen lernen steht auf jeden Fall auch noch auf meiner Bucket-List, ich stelle es mir unglaublich vor so über das Wasser zu schweben. Nach deinem Beitrag hatte ich echt Lust meinen Rucksack zu packen und nach Tarifa zu verschwinden.
    Liebe Grüße,
    Wibke

    1. Hallo Wibke, danke dir für die netten Worte! Wenn der Beitrag bei dir die Lust zum Surfen weckt, habe ich wohl alles richtig gemacht 🙂 wobei es in Andalusien noch bessere Orte zum surfen lernen gibt als Tarifa. El Pamlar wäre da sicher die bessere Adresse. LG Julian

  2. S6M4

    Wäre ich Single ohne Family, wäre ich wahrscheinlich dort. Aber eins stört mich. Muss wirklich bei jedem Laptop ein angebissener Apfel drauf sein? Ist Tarifa nur was für Fanboys dieser speziellen religiösen Mir-san-mir-Sekte? Oder kann man sich da auch mit einem stinknormalen Acer-Notebook mit Ubuntu drauf blicken lassen, ohne mit der Nase berümpft zu werden?

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