Azoren surfen_Santa Iria
21 Oktober 2017

AUF DEN AZOREN SURFEN: ALLES WAS DU FÜR DEINEN SURFTRIP NACH SAÕ MIGUEL WISSEN MUSST

Gastautor Roman Meister von gravityking.ch

Gastbeitrag von Roman Meister

Vom Azorenhoch hast du bestimmt schon mal gehört, man nennt die Azoren auch die Wetterküche Europas. Viel mehr wissen die meisten aber nicht über dieses Archipel mitten im Atlantik. Dabei sind die 9 Inseln durch ihre exponierte Lage bestens für einen wellenreichen Surftrip geeignet.

Mir ging es ähnlich als ich vor vielen Jahren auf den letzten Seiten des „Stormrider Guide Europe“ hängen blieb und wusste: diese Wellen werde ich eines Tages surfen. Bis dahin sollte es aber noch ein weiter Weg sein.

Vor zwei Jahren dann wollte ich einfach mal nachschauen, ob’s da auch Wellen für den durchschnittlichen Surfer gibt - und wurde fündig! Die zwei Wochen waren so gut, dass ich mich noch auf der Insel entschieden habe, meinen Job in der Werbung an den Nagel zu hängen. Was daraus geworden ist, kannst du auf meinem Blog und auf meinem YouTube Channel verfolgen.

Santa Barbara_Azoren surfen

Santa Barbara Beach: ein unbekannter Surfer wartet im Abendlicht auf seine Welle. Foto: gravityking.ch

Etwa 1500 km westlich von Lissabon erstreckt sich das Archipel der Azoren über gut 600 km auf dem Mittelatlantischen Rücken. Die Inseln sind vulkanischen Ursprungs, sehr fruchtbar und grün. Einige der Vulkane sind noch heute aktiv. So ist es kein Wunder, dass du dort auch heisse Quellen findest, in denen du nach einer anstrengenden Session bestens relaxen kannst, um deine müden Muskeln wieder fit zu bekommen.

Die Azoren gehören als autonome Region politisch zu Portugal und somit auch zur EU. Die Landessprache ist Portugiesisch, allerdings haben sich die Einwohner auf die Touristen eingestellt und du kommst zumindest in den grösseren Zentren gut mit Englisch durch. Sobald du aufs Land gehst, helfen ein paar Brocken Portugiesisch aber auf jeden Fall.

Die Inselgruppe besteht aus den acht Hauptinseln Santa Maria, São Miguel, Terceira, Saõ Jorge, Pico, Faial, Corvo und Flores (von Ost nach West), wobei sich fürs Wellenreiten vor allem São Miguel, Terceira und Saõ Jorge eignen, da sie abwechslungsreiche Surfspots mit unterschiedliche Wellentypen bieten. Ich selber war bisher nur auf Saõ Miguel unterwegs, weshalb ich meinen Bericht auf diese Insel beschränken werde.

Ähnlich wie die Kanaren erfreuen sich die Azoren sehr konstanter Swells. Durch die Nähe zur Wetterküche Europas passiert hier alles etwas schneller als beispielsweise auf Fuerteventura: Wellen kommen und gehen im Zweitages-Takt. Das macht’s spannend und du kannst in kürzester Zeit verschiedene Spots und Bedingungen surfen.

Ein weiterer guter Grund für deinen Surftrip auf die Azoren sind die oft noch menschenleeren Breaks. Klar gibt’s auch auf den Azoren lokale Surfer aber es sind nicht sehr viele und sie sind auch ziemlich bequem. Viel weiter als zum nächstgelegenen Strand fahren sie in der Regel nicht. Ausserhalb des Wochenendes kann es also gut sein, dass du deinen Privatbreak für dich alleine hast. Speziell tagsüber gibt’s das gerne mal.

Die beste Reisezeit, um auf den Azoren surfen zu gehen

Das Wasser schwankt zwischen 17 Grad im Februar/März und 22 bis 23 Grad in den Sommermonaten. Generell kann man sagen, dass mit dem kühleren Wasser auch die grösseren Swells ankommen.

Wenn du also auf Big Waves abfährst (und die gibt’s auf den Azoren definitiv!) dann ist eher die Kühle Jahreszeit deine Reisezeit. Als Anfänger oder wenn du es eher gemütlich angehen möchtest, ist die Zeit zwischen Mai und Oktober perfekt geeignet, um auf den Azoren surfen zu gehen.

Die Beachbreaks sind in den meisten Fällen eher mellow und eignen sich deshalb besonders für Anfänger und Intermediates. Und weil du nach der Session auch gleich am Strand liegen und Sonne tanken kannst, eignen sich besonders die Stände von Saõ Miguel perfekt für einen  entspannten Sommer-Surfurlaub.

Lesetipp: SO FINDEST DU DEN RICHTIGEN NEOPRENANZUG

sunset_Azoren

Auf den Azoren hat es immer irgendwo Wolken und darum oft kitschige Sonnenuntergänge. Foto: gravityking.ch

Warum sich ein Surfurlaub nach Saõ Miguel besonders lohnt

Auf der Hauptinsel Saõ Miguel findest du vom Beginner-Beachbreak bis zum Big Wave-Riff alles innerhalb von 30 Minuten Autofahrt.

Die grösste und am dichtesten bevölkerte Insel des Archipels ist auch der kulturelle Mittelpunkt der Azoren. Auch touristisch ist die Insel gut erschlossen. Auch wenn das Meer einmal flach sein sollte, was allerdings selten der Fall ist, gibt’s auf São Miguel viel zu tun:

Whale-Watching, ein verlassenes und heruntergekommenes Hotel in bester Lage und diverse Kraterseen, die zum Baden einladen sind nur einige Möglichkeiten, die sich dir an einem Tag ohne Wellen bieten.

Die Schönheit der Natur ist überwältigend und die meisten Sehenswürdigkeiten kannst du gut auch als Häppchen vor oder nach einer Surfsession mitnehmen. Zwei Wochen reichen, um neben dem Surfen fast die ganze Insel zu erkunden.

lighthouse

Leuchtturm bei Nordeste, dem nordöstlichsten Zipfel der Insel. Foto: gravityking.ch

Anreise und Mobilität

Die Portugiesische Arline TAP fliegt ab Lissabon zweimal täglich zum internationalen Flughafen Ponta Delgada. Während der Hauptreisezeit im Sommer bieten auch diverse Charterflieger Direktflüge an.

Da sich mitten im Atlantik die Wetterverhältnisse schnell ändern können, brauchst du als Freesurfer einen Mietwagen, um immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Dieses holst du dir am besten bei der lokalen Autovermietung „Ilha Verde“.

Auch den Azoren surfen: Die Surfspots von Saõ Miguel im Überblick

Auf www.spotazores.com findest du Webcams der meisten Spots und kannst zusammen mit dem Forecast recht schnell und zuverlässig entscheiden, wo der Tag dich hinbringt.

Generell ist es wichtig, dass du schnell und flexibel bist. Der Wind ist eigenwillig und es kann gut sein, dass du tagsüber im Norden Offshore hast und für die Sunset-Session in den Süden wechseln musst.

Mosteiros

Ganz im Nordwesten der Insel beim Fischerdorf Mosteiros befinden sich drei Wellen: ein felsdurchsetzter Beachbreak und jeweils ein Left- und Righthander im Hafen. Die Szenerie mit den Überresten eines alten Vulkanschlots, die sich wie Felstürme aus dem Atlantik erheben, ist fast schon kitschig und die Sonnenuntergänge sind hier legendär.

Mosteiros_surfer_Azoren surfen_São Miguel

Ein unbekannter Surfer malt seine Linie auf eine Welle in Mosteiros Beach.  Foto: gravityking.ch

Santa Barbara

Bis 2016 der Surf-Hotspot im Norden der Insel und mit seinen gemütlichen Peaks auch Heimat der Surfschule. Leider hat ein Sturm die Sandbänke abgeräumt und seit da läuft leider eher selten etwas, die Bänke erholen sich nur langsam. Die Strandbar „Tuka Tula“ ist und bleibt aber der Geheimtipp für einen Sundowner und wenn du gerne Fisch vom Grill isst, bist du hier genau am richtigen Ort.

São Miguel_Santa Barbara_surfer

Unbekannter Surfer in Santa Barbara. Foto: gravityking.ch

Monte Verde

Direkt in Ribeira Grande gelegen, hast du in Monte Verde die Wahl zwischen einem Semi-Point Lefthander, einem schönen Righthander und einer ziemlich schnellen Linken, die allesamt direkt unterhalb vom Parkplatz brechen. Wenn der Spot läuft, trifft sich dort die Lokale Surfszene, aber es hat genügend Platz für alle.

Santa Iria

Der wahrscheinlich schönste Break der Insel. Nach gut 30 Minuten Fussmarsch landest du an einem einsamen Strand, der auch irgendwo in Polinesien sein könnte. Den Unterschied merkst du nur an der Wassertemperatur und von der Zivilisation kriegst du – mal abgesehen vom Müll am Strand, der leider auch hierhin kommt – nichts mit. Für den durchaus sportlichen Marsch wirst du mit einem meist menschenleeren Lefthander Pointbreak entschädigt. Wichtig für deine Planung: bei Flut ist der Weg zum Strand blockiert.

Santa Iria_Azoren surfen_São Miguel

Unridden beauty. In Santa Iria rollt manch eine Welle ungeritten an den Strand. Foto: gravityking.ch

Ribeira Quente

Das schmucke Fischerdorf im Südwesten beherbergt zwei Wellen, die entlang der Hafenmauer brechen. Die Left ist verlässlicher und lässt sich bereits von kleinen Südswells zum Leben erwecken. Für die Right braucht es etwas mehr Saft, damit sie weit genug von der Hafenmauer entfernt bricht.

Auga d’alto

Ein sehr weitläufiger, schöner Strand mit diversen Peaks, die je nach Gezeiten unterschiedlich laufen. Die Wellen sind meist etwas kleiner als in Populo und darum auch weniger bevölkert. Dennoch sind hier oft Surfschulen anzutreffen.

Populo

Am Rande der Hauptstadt gelegen ist Populo der bestfrequentierte Surfspot im Süden. Mehrere Peaks verteilen sich über die gesamte Länge des Strandes und so findet jeder etwas für seinen Geschmack. Die Crowd verteilt sich sehr gut und der Parkplatz ist der beste Ort, um mit anderen Surfern ins Gespräch zu kommen.

Roman_Populo_Azoren surfen

Sharing is caring: Populo Beach in Ponta Delgada. Foto: gravityking.ch

Auf Saõ Miguel gibt’s alles, was du als Surfer brauchst

Falls du Surfunterricht buchen möchtest, können wir das Azores Surf Center empfehlen. Josephine und Ricardo sind sehr professionell und bieten sowohl Einzellektionen in verschiedenen Packages an. Sie kennen die Insel wie ihre Westentasche und können dir auch viel Wissen über Meer und Wetter vermitteln.

Für Shopping und alles, was du an Material benötigst, gibt es in Ponta Delgada zwei Surfshops:

Hier kannst du dir auch mal Tipps zu den Bedingungen holen, die Jungs sind da ziemlich offen.

Dein Board hat eine Macke? Kein Problem, Dario von Anticiclone Surfboards ist Profi im Bereich Ding-Repair und baut auch tolle Surfboards, die sich bestens als Andenken an einen gelungenen Surfurlaub eignen. Vorrätig hat er die allerdings nicht, also unbedingt vorher Kontakt aufnehmen, falls du deinen Quiver mit einem Azoreanischen Board ergänzen möchtest.

Auch kulinarisch hat Saõ Miguel einiges zu bieten

Gutes Essen kommt auf den Azoren nicht zu kurz. Saõ Miguel hat eine typisch Portugiesische Küche mit viel Fisch und ziemlich großen Portionen. Du findest auf der Insel eine Menge gute Restaurants, deshalb nenne ich hier nur meine drei Favoriten. Ein bisschen selber erkunden musst du ja auch noch können.

Ponta do Garajau

Im kleinen Fischerdörfchen Ribeira do Quente gelegen, wo auch die gleichnamige Welle zuhause ist. Lässt sich also prima mit einem Trip in den Südosten der Insel verbinden. Fleisch und Fisch sind gleichermaßen lecker und das Ambiente ist top.

TukáTulá Bar

Der perfekte Spot an der North Shore für leckeren Fisch vom Grill. Mit einem kühlen Bier lässt sich der Sonnenuntergang direkt am Santa Barbara Beach perfekt genießen. Während meines sechswöchigen Aufenthalts auf der Insel war ich bestimmt 20 Mal dort - und das hat seine Gründe!

Taberna Açor

Mitten in Ponta Delgada gelegen ist die Taberna Açor ein super Ausgangspunkt für einen gelungenen Abend in der Altstadt. Die Taverne ist grösser als sie auf den ersten Blick wirkt und bietet eine riesige Auswahl an Häppchen. Tipp: jeder bestellt etwas Anderes und ihr teilt euch den Teller, so kommt ihr wenigstens bis zur Hälfte der Karte.

Noch mehr kulinarische Tipps findest du auf meinem Blog.

Surfunterkünfte und Surfcamps auf Saõ Miguel

Da Saõ Miguel in den Sommermonaten ziemlich touristisch ist, ist die Auswahl an Unterkünften sehr groß. Vom einfachen Zimmer bei einer lokalen Familie bis zum Luxushotel gibt’s auf der Insel alles. Ich habe jeweils auf AirBnB spontan je nach Swell und Wetter gebucht, oder aber gleich bei  HomeAway eine ganze Villa gemietet und mit Freunden gefüllt.

Das einzige Surfcamp nach kontinentaleuropäischem Vorbild gehört zur lokalen Surfschule, dem Azores Surf Center.

rooftop

Die Crew unserer Surfvilla auf der Dachterasse nach einer feinen Session in Monte Verde. Foto: gravityking.ch

Fazit

Wenn du keinen Bock auf überfüllte Breaks in Frankreich, Portugal oder Fuerteventura hast, aber auch nicht gleich auf eine entlegene Indonesische Insel fliegen oder viel Geld für einen exklusiven Surf-Charter auf den Malediven ausgeben möchtest, könnte es für dich genau das Richtige sein, auf den relativ nahe gelegenen Azoren surfen zu gehen.

Ich habe schon einige Surf-Destinationen bereist, von denen es mir Saõ Miguel besonders angetan hat. Nicht nur die Wellen, auch Land und Leute und die atemberaubende Landschaft sind einen Besuch wert und machen den Aufenthalt auf der Insel zu einer runden Sache. Mein nächster Flug ist bereits gebucht und wer weiß, vielleicht sehen wir uns dann ja schon bald im Lineup.

AUF DEN AZOREN SURFEN: ALLES WAS DU FÜR DEINEN SURFTRIP NACH SAÕ MIGUEL WISSEN MUSST
4.7 94.29% 7 votes

Ähnliche Beiträge

Leave a Reply

MAL GETEILT