Longboard Surf: 10 gute Gründe für die hohe Kunst des Wellentanzes

Ein Beitrag von Sarah Zahn

Surfen ist mehr als nur ein Sport. Es ist eine Lebenseinstellung, die für viele sogar die Religion ersetzt. Aber war dir bewusst, dass auch innerhalb der Surfszene noch einmal große Unterschiede bestehen?

Klar musst du dich auf keinen Fall für einen Surfstil entscheiden. Doch die meisten SurferInnen finden mit der Zeit heraus, wie sie am liebsten surfen und welche Art von Surfboard am besten zu ihnen passt.

Bei einem Longboard Surf lässt es sich am besten Cruisen

Eine ganz eigene Gattung und ein Stil, der sich in europäischen Gewässern wieder wachsender Beliebtheit erfreut, ist der Longboard Surf. Warum man sich freiwillig dafür entscheiden sollte, jedes Mal lange, unhandliche Bretter zum nächsten Surfspot zu schleppen?

Hier kommen unsere Top Ten Gründe, warum der Longboard Surf etwas ganz Besonderes ist. Die Mühe lohnt sich, versprochen!

Schnapp dir das große Brett, …

… weil du durch das Longboarden einzigartige Orte entdecken kannst.

Wenn du selber am liebsten einen Longboard Surf einlegst oder zumindest schon mal den Kultfilm “Endless Summer” angeschaut hast, ist sie dir bestimmt nicht mehr unbekannt: die Suche nach den perfekten Longboard-Wellen. Möglichst lang sollen sie sein, 1-2ft sind bereits völlig ausreichend solange sie trotzdem Kraft haben, clean und glassy auch immer gerne gesehen.

Logboard Surf Contest beim Gliding Barnacles Festivals in Portugal

Was für ein Glück, dass es von Surfspots dieser Sorte so einige Juwelen auf unserem Planeten zu entdecken gibt. Eine kleine, aber feine Auswahl gefällig? Kriegst du:

Lafitenia, Frankreich: endlos scheinende, wunderschöne Rechte, die über Riff bricht und nicht selten sehr voll ist. Was wohl inzwischen leider für so ziemlich alle beliebten Surf-Spots gilt. Trotzdem immer einen Trip wert!

Baleal, Portugal: zusammen mit dem französischen Baskenland die europäische Longboard-Destination schlechthin. Hier findest du sowohl Linke, als auch Rechte, Beachbreaks und Riff für einen unvergesslichen Longboard Surf.

Majanicho, Fuerteventura: Die Outside von Majanicho ist ein relativ mellow brechender Righthander, der dich auch an Tagen mit kleinerem Swell mehr als hundert Meter über das Riff tragen kann.

Imsouane, Marokko: längste Rechte Marokkos und Pointbreak wie aus dem Bilderbuch, hier werden Longboard-Träume wahr.

The Pass, Australien: zusammen mit Noosa Heads weiter nördlich, DAS Mekka für perfekten Longboard Surf in Down Under. Lockt mit einem Pointbreak und extrem langen, rechten Peelern.

Tipp: Weitere Reiseziele für dich und dein Longboard findest du im Longboard Travel Guide: A Guide to the World’s 100 Best Longboarding Waves

Und falls du die Welt des Longboard Surfens erst noch entdecken willst und nach dem passenden Surfcamp in der Nähe eines guten Longboard Spots suchst, haben wir hier eine kleine Übersicht für dich:

SurfregionSurfcampPreis pro Woche
Frankreich (Vieux-Boucau)Atlantic Surf Lodge (Erfahrungsbericht) ab 370 €
(Buchung)
Portugal (Figueira da Foz)Janga Surfcamp
(Erfahrungsbericht)
ab 390 €
(Buchung)
Andalusien (El Palmar)A-frame Surfcamp
(Erfahrungsbericht)
ab 849 €
(Buchung)
Fuerteventura (Lajares)Surf Institute Fuerteventura (Erfahrungsbericht)ab 649 €
(Buchung)
Marokko (Imsouane)Olo Surf & Nature
(Erfahrungsbericht)
ab 549 €
(Buchung)

… weil es die traditionellste Form des Surfens ist.

Und Retro wieder voll im Trend liegt. Versucht sich der Longboard Surf in europäischen Gefilden erst allmählich wieder an einem Comeback, ist diese Form des Surfens doch vor allem von vielen Stränden Hawaiis und Australiens gar nicht mehr wegzudenken.

Entspanntes Longboard Surfen in Byron Bay, Australien

Zu tief ist die Geschichte mit dem Sport verwurzelt, dessen Ursprung sich dank kreativer Höhlenmalereien aufs 12. Jahrhundert in Polynesien zurückdatieren lässt und von dort aus zunächst Hawaii, dann Australien und schließlich den größten Teil der Welt in seinen unwiderstehlich salzigen Bann zog.

Die Surfbretter, wie wir sie heute in ihren unzähligen Variationen kennen, gibt es auch noch gar nicht so lange. Es brauchte eben Zeit, bis die langen Surf-Kanus der HawaiianerInnen zunächst durch große Holz-Planken abgelöst wurden, den Vorreitern also, die sich schließlich immer mehr hin zu einem klassischen Longboard entwickelten.

Spätestens durch Filme wie The Endless Summer erlangte der Longboard Surf Kultstatus und ist für viele Surfbegeisterte nicht nur die Wahl für einen bestimmten Surfstil, sondern auch eine Lebenseinstellung.

… weil für einen entspannten Longboard Surf auch kleine Wellen reichen.

Und das wiederum kann mitunter durchaus bedeuten, dass du ein überfülltes Line-Up elegant umschiffen kannst, um an einem entspannteren Peak dein Glück zu finden.

Ein Longboard Surf funktioniert auch in kleinen Wellen

Der große Vorteil des Longboards im Vergleich zu seinen kleineren Geschwistern besteht nämlich unter Anderem in seinem großen Volumen und dem daraus resultierenden höheren Auftrieb. Ähnlich wie bei einem Softboard kannst du also bereits auf deutlich kleineren und mellow brechenden Wellen deinen Spaß haben. Was nicht heißt, dass du mit einem Longboard auf das Surfen größerer Wellen verzichten musst.

Aber während das Herz der meisten Wellenreiter beim Shortboard Surfen mit zunehmender Wellengröße und ordentlich Punch erst so richtig glücklich anfängt zu schlagen, liegt genau hier für einen Longboard Surf oft eine Grenze und die Herausforderung, das große Surfboard weiterhin manövrieren zu können.

Ganz abgesehen davon, dass du dein Longboard zum Surfen überhaupt erstmal ins Line-Up bekommen musst. Turtle-Roll heißt das Stichwort und ist dir möglicherweise noch aus deinen Zeiten vor den ersten, erfolgreichen Duck Dives bekannt. Bei dieser Technik rollst du dich ins Wasser, drehst dein Surfboard mit der Finna nach ober über dich und hältst es wie einen Schildkrötenpanzer fest, bis das Weißwasser über dich hinweggerollt ist.

Oftmals kommst du sogar ganz ohne derartige Tricks (der Duck Dive ist nur eine Variante) über das Weißwasser, aber wir wollten es an dieser Stelle mal erwähnt haben.

… weil du kein Muskelprotz sein musst.

Ein Longboard ist nur dann ein echtes Longboard, wenn es mindesten eine Länge von 9 Fuß aufweist, 22 Zoll breit und 3-4 Zoll dick ist. Und in der Regel nur eine große Finne besitzt, die sogenannte Single-Fin.

Was für die einen schlicht viel zu viel Surfboard ist, ist für die anderen eine super Chance in den Genuss vieler Wellen zu kommen, auch wenn du eigentlich die meiste Zeit des Jahres landlocked bist.

Für landlocked SurferInnen eine echte Alternative – der Longboard Surf

Selbstverständlich ist es immer von Vorteil, wenn du es schaffst, auch abseits des Meeres deine Surf-Fitness beizubehalten. Aber jeden Tag im Wohnzimmer Pop-Ups zu trainieren oder den Gleichgewichtssinn auf deinem Balance-Board ein wenig zu fordern, schaffen vermutlich ehrlicherweise die wenigsten unter uns (wenn du jedoch motiviert bist und der nächste Surf-Trip bereits vor der Tür steht, trag dich einfach in unseren Newsletter ein und nimm am Surfnomaden-Minikurs teil).

Fühlst du dich gerade angesprochen, liegt der Vorteil beim Longboard Surf für dich eindeutig darin, dass du im Vergleich zum Performance-Surfen weniger Muskelkraft benötigst.

Durch den hohen Auftrieb deines Longboards gelangst du bereits mit wenigen Paddelschlägen ans Ziel, kommst viel einfacher in die Welle (auch wenn du bereits deutlich früher anfangen solltest, das Longboard in Bewegung zu setzen), kommst bei einer entspannten Wellenhöhe anschließend schneller wieder ins Line-Up zurück, um dann wieder in die nächste Welle zu gleiten, etc.… du weißt, worauf wir hinauswollen.

… weil du übers Wasser laufen kannst.

Und wer kann das schon von sich behaupten außer Jesus?! Abgesehen von all den anderen LongboarderInnen natürlich, die diese Technik beherrschen. Die Rede ist vom sogenannten Cross-Step und bedeutet, dass du mit ein paar wenigen Kreuzschritten von deiner Ausgangsposition an die Nose des Bretts gelangst ohne, dass du oder dein Board währenddessen die Balance verlieren.

Die hohe Kunst beim Longboard Surf: Hang-Five oder gar Hang-Ten!

Einmal vorne angekommen, hört der Spaß vom Longboard Surf noch lange nicht auf: das ultimative Ziel stellt wohl der Hang-Ten dar, bei dem alle deine zehn Zehen sich um die Spitze des Longboards schmiegen und in gebogener Haltung über die Wasseroberfläche fliegen.

Hierzu musst du die hohe Kunst beherrschen, dein Brett so in der passenden Welle zu positionieren, dass dir die Lip hinten auf das Tail (hinterer Teil des Surfboards) prasselt und die Nose (vorderer Teil) von unten an der Welle festgesaugt wird. Gar nicht so einfach zu erklären und noch viel schwieriger durchzuführen. Es müssen also nicht immer extreme Turns, Cut-Backs und Airs sein, um beim Surfen neue Herausforderungen zu finden.

… weil du mit der Welle surfst und nicht gegen sie.

Alleine der Satz an sich ist so poetisch, dass er eigentlich keiner weiteren Erläuterung bedarf. Und wenn du bereits einige Menschen bei ihrem Longboard Surf beobachten konntest oder im besten Fall selber auf dem Board standest, weißt du wahrscheinlich eh sofort, was wir damit meinen.

Ganz mühelos übers Meer gleiten: Dein Traum vom Longboard Surf?

Für alle anderen trotzdem eine kleine Liebeshymne an diesen ganz besonderen Surfstil: Stell dir vor, du stehst ganz entspannt auf deinem Longboard. Unter dir glitzert das Meer, während du von der Welle getragen ganz mühelos über die Meeresoberfläche hinweggleitest. Ein paar Cross-Steps und zack stehst du auf der Nose und siehst das Wasser in einmaliger Perspektive unter dir vorbeiziehen.

Klingt wie ein Traum? Muss es nicht bleiben!

… weil du Teil einer ganz besonderen Community wirst.

SurferInnen wird ja schnell mal unterstellt, dass sie eher zum relaxteren Typ Mensch gehören. Wie sollte es auch anders sein, wenn man das große Glück hat, viel Zeit unter der Sonne im Meer zu verbringen und sich die Wellen mit ein paar gleichgesinnten FreundInnen zu teilen.

Handstand gefällig? Auf einem Longboard kein Problem

Nichtsdestotrotz gibt es auch innerhalb dieser Gruppierung weitere Abstufungen. So wird uns LongboarderInnen oft nachgesagt, an der Spitze der Entspannungs-Pyramide zu stehen (bitte nimm dieses Schubladen-Denken an dieser Stelle nicht allzu ernst).

Der pure Spaß an der Freude steht beim Longboard Surf aber definitiv im Vordergrund und erlaubt ist alles, was sich gut anfühlt. Wie wäre es zum Beispiel mit einem lässigen Kopf- oder Handstand auf dem Brett? Oder du wolltest schon immer mal eine Welle im Liegen oder auf Knien absurfen? Kein Problem, einfach machen!

Die Stimmung im Line-Up ist unter Longboardern oft von breitem Grinsen und einem ausgeprägten Miteinander geprägt und nicht selten sieht man gleich mehrere LongboarderInnen eine Welle gemeinsam genießen, ohne dass es irgendwelchen Stress gibt.

… weil es für den Longboard Surf sogar ein eigenes Line-Up gibt.

Eine der goldenen Regeln des Surfens besagt, dass du und dein Surfboard dieselbe Geschwindigkeit wie die Welle in dem Moment aufgebaut haben müsst, in dem ihr aufeinandertrefft.

Wir haben dir bereits versprochen, dass es mit einem Longboard aufgrund des höheren Volumens deutlich einfacher ist in die Welle zu kommen. Aber das höhere Gewicht ist auch dafür verantwortlich, dass es erstmal ein Weilchen dauert, bis die Planke überhaupt in Schwung kommt.

Und genau aus diesem Grund sitzen LongboarderInnen meistens immer ein Stückchen weiter draußen, als das restliche Line-Up. Diese Position ermöglicht es dir, Wellen frühzeitig zu erkennen und anzupaddeln. Nicht selten führt es zu ein wenig Missgunst seitens der Shortboard-Fraktion, die beim Wellen-Catchen öfter mal leer ausgeht. Sei also achtsam und stürz dich nicht auf jede herannahende Welle, auch wenn du am besten positioniert bist. Teilen macht schließlich Spaß!

… weil Longboards einfach wunderschön sind.

Na, bist du überzeugt und kannst es kaum erwarten dir jetzt auch endlich einen Wellentänzer zuzulegen? Herzlichen Glückwunsch zu dieser lebensverändernden Entscheidung!

Auch in Sachen Ästhetik sind Longboards ganz weit vorne

Um sie gebührend zu feiern und dein Leben um ein stattliches Longboard reicher zu machen, haben wir hier schon wieder eine kleine, aber sehr feine Auswahl für dich. Dieses Mal an empfehlenswerten Longboard Shapern aus dem europäischen Raum:

Kun-tiqui – sehr ökologische Bretter aus leichtem Balsa-Holz, mit viel Liebe handgefertigt in Kantabrien, Spanien.

Wavegliders – zeitlose Schönheiten in unzähligen Formen, Farben und Größen, geshaped in Ericeira, Portugal.

Retro Movement – ein außerhalb Portugals kaum bekannter Shaper, der unter echten Longboard-Kennern aber einen ausgezeichneten Ruf genießt.

Delmar – eine weitere Ikone der Kunst des Longboard Shapens stammt direkt aus Biarritz – der inoffizielle Hauptstadt der europäischen Longboard Szene.

Euroglass – direkt aus dem französischen Surf-Mekka Hossegor bietet Euroglass Longboards in verschiedenen Preiskategorien und Shapes an.

… weil du für einen Longboard Surf nie zu alt sein wirst.

Die beste Nachricht zum Schluss: wenn du vorhast, auch mit 60 oder sogar 90 Jahren noch das Line-Up zu rocken, wirst du vermutlich eh früher oder später auf ein Longboard umsteigen. Warum nicht also lieber früher als später, damit du ausreichend Vorbereitungszeit hast, an deinen Cross-Steps und Hang-Tens zu feilen?

Fazit

Du siehst, es gibt zahlreiche gute Gründe für einen entspannten Longboard Surf. Diese Art des Wellentanzes kommt der ursprünglichsten Form des Surfens nicht nur am nächsten, es lässt dich auch viel mehr Wellen schnappen und mit ihnen verschmelzen – selbst der Tube Ride ist mit einem Longboard möglich!

Sogar ein Tube Rides sind mit dem Longboard möglich

Und wunderschöne Wellen für einen unvergesslichen Longboard Surf gibt es viele zu entdecken. Im Anschluss an deinen Longboard Trip auch noch behaupten zu können, du wärst übers Wasser gelaufen, klingt doch ziemlich verlockend oder?

Wie stehst du zum Longboard Surf: willst du es gerne mal ausprobieren oder bist du bereits begeistert von dieser Art zu surfen? Schreib es uns gerne in die Kommentare, wir freuen uns auf deinen Bericht!

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1 Gedanke zu „Longboard Surf: 10 gute Gründe für die hohe Kunst des Wellentanzes“

  1. Bei dem Beitrag kriegt man richtig Bock auf Longboarden 😎 Kannst du eine Surfschule im Europa empfehlen, die speziell longboarden unterrichtet?

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